Coleco Gemini
1982 entwickelte Coleco für das ColecoVision eine Erweiterung mit dem Namen Expansion Module #1, die es dem Anwender ermöglichte, auch Spiele des Atari 2600 zu nutzen. Damit wurde es erstmals möglich, die besten Titel zweier Konsolensysteme auf einer Plattform zu genießen. Erwartungsgemäß zeigte sich Atari von dieser Idee wenig begeistert und zog mit einer Armee von Anwälten vor Gericht. Das Unternehmen forderte Schadensersatz in Höhe von 500 Millionen US-Dollar und behauptete, Coleco habe Patente verletzt.
Das Gericht entschied jedoch überraschend zugunsten des kleineren Unternehmens Coleco. Die Begründung lautete, dass die Erweiterung keine Patente verletzte und das Innenleben technisch völlig anders aufgebaut war als das des Atari 2600. Geschlagen musste Atari zusehen, wie Coleco seine Pläne weiter vorantrieb. Noch provokanter wurde es, als Coleco offiziell ankündigte, eine eigene Version des Atari 2600 auf den Markt zu bringen. Diese Konsole, die den Namen Gemini (Zwilling) trug, machte unmissverständlich klar, was sie darstellen sollte: eine Nachbildung des Atari 2600.
Die Gemini-Konsole war jedoch nicht mit dem ColecoVision kompatibel. Stattdessen entschied sich Coleco, die Leistungsgrenzen des inzwischen technisch überholten Atari 2600 unverändert zu übernehmen. Damit musste man sich mit einem Arbeitsspeicher von lediglich 128 Byte und einem Hauptprozessor mit einer Taktrate von 1,19 MHz zufriedengeben. Wie das Original konnte die Gemini 128 Farben darstellen, allerdings bei einer vergleichsweise niedrigen Auflösung von 160 x 120 Pixeln. Zum Vergleich: Das ColecoVision bot eine Auflösung von 256 x 192 Pixeln, was es grafisch deutlich überlegen machte.
Das Design der Gemini konnte nicht mit der hochwertigen Verarbeitung des Atari 2600 mithalten. Das Gehäuse bestand aus billig wirkendem Plastik, dessen Oberfläche teils glatt, teils strukturiert war. Die markanten Holzverzierungen des Atari 2600 fehlten vollständig, und der Modulschacht war nicht mehr zentral, sondern in die rechte Ecke des Gehäuses verlegt. Einen Pluspunkt gab es jedoch bei den Controllern: Coleco integrierte einen 8-Wege-Joystick und ein 270°-Paddle in einem einzigen Pad. Diese innovative Kombination war technisch eine deutliche Verbesserung gegenüber den Original-Controllern des Atari 2600. Allerdings erforderte der Einsatz eines zweiten Controllers für Multiplayer-Spiele einen zusätzlichen Y-Connector.
Die Produktion der Gemini-Konsole war nur von kurzer Dauer. Der Grund dafür lag weniger an mangelndem Interesse der Käufer, sondern vielmehr an den dramatischen Ereignissen des Jahres 1982. In diesem Jahr brach der Videospielmarkt ein, ausgelöst durch die unkontrollierte Produktion zahlreicher minderwertiger Spiele, die kaum Abnehmer fanden. Hersteller versuchten, ihre Lagerbestände panisch zu räumen, und verkauften Spielemodule zu Ramschpreisen. Anstatt die Verluste abzufedern, beschleunigte dieser Schritt den Niedergang des Marktes.
Auch Coleco konnte sich diesem Schicksal nicht entziehen. Selbst ein Bundle mit dem beliebten Spielhallen-Klassiker Donkey Kong, das ursprünglich die Verkaufszahlen der Gemini ankurbeln sollte, konnte den Kollaps nicht aufhalten. Die Gemini bleibt dennoch ein faszinierendes Beispiel für die Rivalität und Innovationen in der frühen Videospielgeschichte.