Luxor ABC 80

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Luxor ABC 80

Luxor ABC 80Nicht nur die üblichen Verdächtigen entwickelten in den Pioniertagen Homecomputer Modelle, auch eher international unbekannte Unternehmen wagten sich in dieser digitalen Goldgräberzeit an das neue Medium. Zu diesen weniger bekannten Namen gehörte auch das schwedische Unternehmen Luxor, das mit dem ABC 80 wichtige Marktanteile, vor allem in der Heimat, sichern wollte. Dabei setzte man auf Dataindustrier AB, dessen Kind der ABC 80 war. Der gesamte Computer wurde dort, gemeinsam mit Scandia Metric, die zuvor einschlägige Erfahrungen sammeln konnten, entwickelt. Luxor selbst war in Schweden als einer der größten TV Geräte Hersteller bekannt und besaß daher auch die entsprechenden Kapazitäten und Einrichtungen, um den ABC 80 zu fertigen. Darüber hinaus konnte praktischerweise ein modifizierte 12“ Schwarz-Weiß-Fernseher als spezieller Monitor verkauft werden, der sich nur in wenigen Merkmalen von seinen Vorfahren unterschied. Im Textmodus konnten 40 x 24 Zeichen dargestellt werden. Der Grafikmodus ermöglichte ein Bild von 78 x 72 Pixeln.
Technisch setzte das Modell auf die gleichen Merkmale, wie auch die meisten Rechner dieser Zeit: ein 3 MHz schneller Zilog Z80, daher der Namenszusatz „80“, dem vom Werk 16 KByte RAM zur Seite standen. Bastelfreudige Anwender konnten den Speicher bis zu 32 KByte ausbauen. Ein Texas Instruments SN76477 bot dem System einen Audiokanal und war sonst in dieser Form in keinem anderen Heimcomputer eingesetzt worden. Lediglich die Spielhallenautomaten Space Invaders, Stratovox oder Vanguard nutzten ebenfalls diesen Chip. Dies lag in erster Linie an den limitierten Eigenschaften des Chips, der keine Veränderungen der integrierten 96 Sounds erlaubte. Zur Speicherung der Daten stand dem Anwender ein Kassettenrekorder Anschluss zur Verfügung, die Datenübertragung erfolgte mit einer Geschwindigkeit von etwa 300 Baud, was typisch für Heimcomputer der späten 1970er war. allerdings war es auch möglich zwei 5,25" Diskettenlaufwerke zu betreiben.Das Betriebssystem des Luxor ABC 80 bestand im Wesentlichen aus einem im ROM integrierten BASIC-Interpreter, der speziell für diesen Computer entwickelt wurde. Anders als viele zeitgenössische Heimcomputer, die auf Microsoft BASIC setzten, nutzte der ABC 80 eine eigene Variante, die an die Hardware des Systems angepasst war. Eine Besonderheit des ABC 80 war die Geschwindigkeit seines BASICs: Es galt als eines der schnellsten BASIC-Derivate seiner Zeit, da es effizienteren Maschinencode nutzte als viele Konkurrenzprodukte.

Zum Verkaufsstart kostete der ABC 80 rund 1.400 US-Dollar, was inflationsbereinigt heute etwa 5.500 Euro entspricht. Sein Design war robust, mit einem Kunststoffgehäuse und einer integrierten Tastatur. Interessanterweise wurde der ABC 80 in Ungarn unter dem Namen BRG ABC80 mit einem Metallgehäuse produziert. Diese Version unterstreicht die internationale Relevanz des Systems, auch wenn es hauptsächlich in Skandinavien verbreitet war.

Gegenüber seinen damaligen Kontrahenten konnte sich der ABC 80 auf dem Markt gut positionieren, die meisten Modelle dieser Zeit waren lediglich erweiterte Tischrechner, sündhaft teure Bürocomputer oder aber Selbstbaukits. Innerhalb Schwedens verkaufte sich der Computer praktisch von selbst und konnte eine starke Anhängerschaft aufbauen. Endlich war es möglich mit einem landesspezifischen Computer BASIC zu erlernen. Innerhalb von zwei Jahren wurden mehr als 10.000 Einheiten verkauft und bis 1984 dominierte Luxor den gesamten Markt des Heimatlandes. Als jedoch Computer, wie der Commodore C64, international immer mehr an Bedeutung gewannen, konnte auch Luxor nicht mehr dagegenhalten und verlor drastisch Marktanteile.

Veröffentlicht in Systeme.

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