Bandai RX-78

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Bandai RX-78

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Wenn ein Anime Fan oder ein Computerfan auf den Bandai RX-78 angesprochen wird, ist es nicht unwahrscheinlich zwei unterschiedliche Antworten zu erhalten. Der Anime Fan erinnert sich mit aller Wahrscheinlichkeit und glänzenden, sowie feuchten Augen an den etwa 20 Meter großen Mecha aus der Serie Mobile Suit Gundam von Yoshiyuki Tomino und Sunrise. Der versierte Nerd hingegen denkt an den raren 8bit Heimcomputer des Spielzeugherstellers Bandai, die neben ihrer erfolgreichen Marken nun auch im Computersektor Fuß fassen wollten. Wieso also nicht einen Rechner präsentieren, der ursprünglich als Ergänzung zur Anime Serie konzipiert wurde?

Ausgestattet mit den üblichen Verdächtigen, einem mit 4,1 MHz getaktetem Zilog Z80 Prozessor Klon (SHARP LH0080A), 30 KByte Arbeitsspeicher, der zudem noch erweiterbar war und einem 8 KB großem ROM (Read Only Memory), der als Betriebssystem dem Anwender BASIC zur Verfügung stellte. Garniert wurde die Hardware mit dem Audiochip SN76489 aus dem Hause Texas Instruments, der sich in zahlreichen Variationen und Klone auch bei Sega (SG-1000 etwa), dem Neo Geo Pocket oder dem Coleco Vision wiederfand. Dieser konnte drei Tonkanäle (mit bis zu vier Oktaven), sowie einen Rauschgenerator zur Soundausgabe vorweisen. Grafisch stellte der RX-78 maximal 192 x 184 Bildpunkte zur Verfügung, die auf einer Farbpalette von 27 Farbtönen basierte. Jedoch konnten nur acht Farben gleichzeitig verwendet werden. Im Textmodus wurden 30 × 23 Zeichen mit einer 6 × 8 Pixel-Schriftart angezeigt.

Geplante Peripheriegeräte umfassten zusätzliche Speichererweiterungen und spezialisierte Controller, um die Funktionalität des Systems zu erweitern. Der RX-78 war in erster Linie als Spielmaschine konzipiert und wurde mit zwei Joysticks ausgeliefert. Es wurden etwa 20 Spiele veröffentlicht, darunter Titel wie "Cannon Ball", "Challenge Golf" und "Mobile Suit Gundam: Luna Two no Tatakai". Zusätzlich gab es einige Bildungs- und Anwendungsprogramme wie "ABC Tangou Game" und "Music Master". Allerdings war die Verfügbarkeit von Software begrenzt, und die proprietären Anschlüsse erschwerten die Kompatibilität mit Standard-Peripheriegeräten.

Im Juli 1983 zeigte sich die Fachpresse durchaus interessiert an dem Modell, für den Bandai inflationsbereinigt heute etwa 617 Euro als Startpreis verlangte. Jedoch war sie sich auch bewusst, dass der Markt bereits etliche Exoten aufgenommen hatte, die sich gegen Giganten, wie etwa dem C64 oder dem japanischen PC-8801 aus dem Hause NEX kaum behaupten konnten. Ein Computer lebt mit und durch die verfügbare Software und hier konnte sich Bandai nicht erfolgreich genug auf dem Markt positionieren.

Bandai selbst gibt kaum Auskunft über die tatsächliche Anzahl an verkauften Einheiten. Die Schätzungen gehen von etwa 10.000 Einheiten aus, viel zu wenig, um eine ausreichende Bedrohung auf die westlichen Systeme auszuüben. Dennoch oder möglicherweise deswegen ist dieser Rechner ein rares und begehrtes Sammlerstück. Bandai selbst gab ihr Ansinnen nicht auf. Der Rechteinhaber der Power Rangers und des Tamagotchis versuchte sich auch später auf dem digitalem Sektor, beispielsweise mit dem Wonder Swan.

Veröffentlicht in Systeme.

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