PCW 8256 / Schneider Joyce

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PCW 8256 / Schneider Joyce

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PCW 8256 / Schneider Joyce

Der PCW 8256 stellte keinen Computer im eigentlichen Sinne dar, sondern konnte viel mehr als digitale Schreibmaschine verstanden werden. Besonders die Typenkennzeichnung PCW machte dies deutlich, stand die Abkürzung für Personal Computer Wordprocessor. Das System richtete sich primär an Autoren, Studenten und kleine Unternehmen, die eine kostengünstige Textverarbeitungslösung benötigten. Alan Sugar, der Gründer von Amstrad, erkannte früh das Potenzial eines erschwinglichen Bürocomputers und setzte mit dem PCW 8256 genau diesen Gedanken um. „Wir wollten einen Computer entwickeln, den jeder bedienen kann, ohne technisches Know-how zu benötigen“, sagte Sugar in einem Interview aus dem Jahr 1985.

Anders als viele seiner Zeitgenossen, die sich vor allem auf Spiele oder Unternehmenssoftware konzentrierten, wurde der PCW 8256 als Komplettsystem angeboten, das Monitor, Tastatur und Drucker in einem Set vereinte. Die Philosophie hinter dem Gerät war es, eine unkomplizierte und preiswerte Alternative zu den damals dominierenden IBM-kompatiblen PCs oder dem Apple Macintosh zu bieten. Besonders hervorzuheben ist das Betriebssystem CP/M+, das eine breite Auswahl an bestehender Software unterstützte, darunter das mitgelieferte Textverarbeitungsprogramm Locoscript.

Mit einem Zilog Z80-Prozessor, 256 KB RAM (später erweiterbar auf 512 KB) und einem integrierten 3-Zoll-Diskettenlaufwerk war er leistungsfähig genug für die vorgesehenen Aufgaben. Die monochrome Darstellung des Bildschirms mit einer Auflösung von 720 × 256 Pixeln ermöglichte eine klare und gut lesbare Textverarbeitung. Das Gerät wurde mit einem Nadeldrucker ausgeliefert, was eine wesentliche Erleichterung für viele Nutzer bedeutete, die eine vollständige Schreibmaschinenalternative suchten. Wie auch bei einigen anderen Modellen war die gesamte Hardware im Gehäuse des Monitors verbaut, optional konnte allerdings ein zweites Laufwerk angeschlossen werden. Interessanterweise besaß dieser Computer keine ROM, sondern lud die Bootsequenz direkt aus dem ASIC des Druckers. Neben dem mit gekauften Drucker konnte nicht ohne weiteres andere Drucker angeschlossen werden, es musste zuerst ein Adapter verbaut werden.

Zeitzeugenberichte aus alten Computerzeitschriften lassen die damalige Begeisterung für das Gerät nachvollziehen. So schrieb das Magazin Personal Computer World in seiner Ausgabe vom Oktober 1985: „Mit dem PCW 8256 revolutioniert Amstrad den Markt – ein voll ausgestattetes Büro für weniger als 500 Pfund!“ Diese Begeisterung teilten auch viele Kunden, die nun eine günstige Möglichkeit hatten, ihre Korrespondenz und Büroarbeiten zu erledigen.

Doch es gab auch Kritikpunkte. Besonders das 3-Zoll-Diskettenformat erwies sich als problematisch, da es nicht mit den weiter verbreiteten 3,5-Zoll- oder 5,25-Zoll-Disketten kompatibel war. Einige Nutzer berichteten von Schwierigkeiten bei der Datenübertragung zwischen verschiedenen Systemen, was den Einsatz des PCW 8256 in gemischten Büro-Umgebungen erschwerte. Trotzdem fand das Gerät schnell eine treue Fangemeinde, insbesondere unter Schriftstellern und Selbstständigen. Der britische Schriftsteller Terry Pratchett soll einen frühen PCW genutzt haben, um einige seiner Romane zu schreiben. Auch in Schulen und Universitäten fand das System Verbreitung, wo es oft als erschwingliche Alternative zu teureren Workstations diente.

Geplante Peripheriegeräte für den PCW 8256 umfassten zusätzliche Speicherlösungen, wie externe Diskettenlaufwerke und Speichererweiterungen, aber auch spezielle Softwarepakete für Tabellenkalkulation und Buchhaltung. Amstrad veröffentlichte später den PCW 8512, eine erweiterte Version mit mehr Speicher und einem zweiten Diskettenlaufwerk, um den Bedürfnissen professioneller Nutzer besser gerecht zu werden.
Obwohl der PCW 8256 letztlich von moderneren Systemen verdrängt wurde, bleibt er ein bemerkenswertes Beispiel für einen durchdachten und kosteneffizienten Computer, der eine spezielle Marktnische bediente. Sein Erfolg zeigte, dass ein Computer nicht immer ein technisches Wunderwerk sein musste, um eine breite Zielgruppe zu erreichen – manchmal reichte es, eine praktische Lösung für ein alltägliches Problem zu bieten. 700.000 Käufer werden diesem Urteil sicherlich zustimmen.

Veröffentlicht in Systeme.

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