Der Sanyo Wavy 10, auch bekannt unter der Bezeichnung MPC-10, war eines der frühen Modelle des MSX-Standards, einer Plattform, die in den 1980er Jahren eine einheitliche Basis für Heimcomputer schaffen sollte. Der Wavy 10 wurde 1983 von Sanyo auf den Markt gebracht und war Teil der ersten Welle von MSX-Computern, die darauf abzielten, einen erschwinglichen und vielseitigen Heimcomputer für den globalen Markt bereitzustellen. Mit seinem schlichten Design und soliden technischen Spezifikationen erlangte der Wavy 10 eine moderate Verbreitung, blieb jedoch im Schatten anderer, bekannterer MSX-Hersteller wie Sony und Philips.
Die Entstehung des Wavy 10 geht auf die Einführung des MSX-Standards durch Kazuhiko Nishi, einen führenden Technologie-Visionär und Mitbegründer von ASCII Corporation, zurück. MSX stand für „Machines with Software Exchangeability“ und sollte die Fragmentierung des Heimcomputermarktes verringern, indem es eine einheitliche Plattform für Hardware und Software schuf. Nishi überredete Sanyo, Teil dieses Standards zu werden, indem er die Vorteile eines modularen Systems und die Möglichkeit betonte, auf ein breites Software-Ökosystem zuzugreifen. Ein Artikel in der Nikkei Electronicsvon 1984 zitierte Nishi mit den Worten: „MSX war nicht nur eine technische, sondern eine strategische Entscheidung, die den Heimcomputermarkt revolutionieren sollte.“
Der Wavy 10 wurde mit einem Zilog Z80A-Prozessor ausgestattet, der mit einer Taktfrequenz von 3,58 MHz arbeitete. Dieser Prozessor war ein Grundpfeiler vieler Heimcomputer der 1980er Jahre und bot eine robuste Leistung für Anwendungen wie Textverarbeitung, Spiele und einfache Programmierung. Der Computer verfügte über 16 – 32 KB RAM, sowie 16 KB VRAM, was ihn für viele Aufgaben ausreichend machte, aber im Vergleich zu teureren Modellen, die über 64 KB RAM verfügten, einschränkte. Das Betriebssystem des Wavy 10 war MSX BASIC, eine erweiterte Version von Microsoft BASIC, die speziell für den MSX-Standard entwickelt wurde. Dies machte den Einstieg in die Programmierung einfach, was ihn besonders für Schüler und Hobbyisten attraktiv machte.
Sanyo plante zu Beginn eine minimalistische Tastaturlösung zu verwenden, allerdings reagierten die Testnutzer nicht sonderlich positiv auf diese Eingabemöglichkeit. So entschied man sich schließlich, eine größere, ergonomischere Tastatur zu entwickeln, die später als eines der besten Merkmale des Wavy 10 gelobt wurde. Ein Tester der Zeitschrift MSX Magazineschrieb: „Die Tastatur des Wavy 10 ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Heimcomputer sowohl funktional als auch benutzerfreundlich sein kann.“
Die geplanten Peripheriegeräte des Wavy 10 umfassten ein externes Kassettenlaufwerk zur Datenspeicherung, einen Joystick für Spiele, ein Farbmonitor für verbesserte visuelle Darstellung und ein Diskettenlaufwerk, das später in den höherpreisigen Modellen der Wavy-Serie verfügbar wurde. Besonders das Kassettenlaufwerk wurde häufig genutzt, da es eine kostengünstige Möglichkeit zur Speicherung und zum Laden von Programmen bot. Allerdings kritisierten viele Nutzer die langsame Ladegeschwindigkeit und die Anfälligkeit für Fehler. Ein Bericht in der ASCII beschrieb es als „notwendig, aber oft frustrierend für komplexere Anwendungen.“
Die Markteinführung des Wavy 10 wurde von gemischten Reaktionen begleitet. Während die Hardware allgemein als solide galt, wurde das Gerät oft als unspektakulär im Vergleich zu Konkurrenzmodellen angesehen. In Japan fand der Wavy 10 eine Nische, insbesondere bei Schülern, die ihn für den Einstieg in die Programmierung nutzten. International war der Erfolg jedoch begrenzt, da Marken wie Sony und Philips mit ihren MSX-Modellen eine stärkere Marketingpräsenz und umfangreichere technische Spezifikationen bieten konnten. Ein Artikel in der britischen Your Computer nannte den Wavy 10 „einen anständigen MSX-Computer, der jedoch von seinen stärkeren Geschwistern in den Schatten gestellt wird.“
Eine Kontroverse um den Wavy 10 betraf die Entscheidung von Sanyo, keine interne Erweiterbarkeit anzubieten. Während viele MSX-Computer Steckplätze für RAM-Erweiterungen oder zusätzliche Schnittstellen boten, war der Wavy 10 auf externe Peripheriegeräte angewiesen, was die Kosten für Benutzer erhöhte und seine Flexibilität einschränkte. Dies wurde in der Fachpresse häufig bemängelt, wobei MSX User schrieb: „Der Wavy 10 ist ein guter Einstieg, aber seine begrenzten Erweiterungsmöglichkeiten könnten bald frustrierend werden.“
Rückblickend wird der Wavy 10 oft als ein wichtiger Schritt in der Verbreitung des MSX-Standards gesehen, der jedoch nicht die technische oder kommerzielle Durchschlagskraft hatte, um langfristig erfolgreich zu sein. Trotz seiner Einschränkungen bleibt er ein beliebtes Sammlerstück unter Retrocomputing-Enthusiasten. Ein ehemaliger Ingenieur von Sanyo fasste es in einem Interview zusammen: „Der Wavy 10 war nicht perfekt, aber er hat vielen Menschen den Weg in die Welt der Computer eröffnet, und das macht ihn zu etwas Besonderem.“