Tandy Radio Shack – Tandy 1000

Tandy 1000

Tandy Radio Shack - Tandy 1000Der Tandy 1000 war der Stammvater einer ganzen Serie von IBM-PC-kompatiblen Computern, die ausschließlich über die Ladenkette Tandy Radio Shack vertrieben wurden. Er kann als Nachfolger der bekannten TRS-80-Serie betrachtet werden. Das im November 1984 erschienene Modell 1000 wurde von Tandy gezielt für den Heimcomputer- und Bildungssektor entwickelt, um IBM-Kunden für den IBM-PC-kompatiblen Tandy zu gewinnen. Allerdings war die Kompatibilität in vielerlei Hinsicht nicht immer zu 100 % gegeben.

Tandy Radio Shack übernahm die grafischen Spezifikationen des IBM PCjr sowie dessen Audiofähigkeiten, die dreistimmige Tonausgabe ermöglichten. Der IBM PCjr verwendete ein eigenes Grafiksystem, das auf dem CGA-Standard basierte, jedoch erheblich erweitert wurde. Statt vier standen nun 16 Farben bei einer Auflösung von 320 × 200 Bildpunkten zur Verfügung.

Der IBM PCjr verschwand fast so schnell vom Markt, wie er erschienen war, doch der Tandy 1000 überlebte – und mit ihm auch die technischen Spezifikationen, die nun unter dem Begriff „Tandy compatible“ bekannt wurden. Tandy hatte eines der ersten kompatiblen PC-Systeme entwickelt, das bereits eine Vorstufe der späteren Chipsätze besaß. Grafikkarte, Soundchip und Joystick-Ports (kompatibel mit den TRS-80-Color-Joysticks) waren ebenso auf dem Motherboard integriert wie der Floppy-Controller und die parallele Schnittstelle. Dazu kamen die üblichen IBM-PC-Anschlüsse: Tastatur-Interface, Erweiterungssteckplätze, DMA, Interrupt-Controller sowie ein Sockel für einen optionalen Co-Prozessor (jedoch nur beim Modell 1000A).

Dies führte zu einer erheblichen Platzersparnis. Ein vergleichbar ausgestatteter PC hätte vier wertvolle Steckplätze belegt. Der Tandy 1000 war dadurch deutlich ausbaufähiger, obwohl seine Gehäusedimensionen denen des IBM PC 5150 entsprachen. Im Gehäuse konnten bis zu zwei 5,25-Zoll-Floppylaufwerke (360 KB, doppelseitig mit je 40 Spuren, die über Jumper konfiguriert werden mussten) untergebracht werden.

Im Inneren arbeitete ein typischer Intel 8088 mit 4,77 MHz als zentrale Recheneinheit. Dem Nutzer standen sofort 128 KB RAM zur Verfügung, die bei Bedarf auf bis zu 640 KB erweitert werden konnten. Allerdings beanspruchten die ersten Speichererweiterungen bereits zwei der drei XT-kompatiblen Steckplätze.

Zur Bildausgabe konnte ein RGB-Monitor für CGA- und EGA-Darstellung angeschlossen werden. Alternativ war es möglich, das Bild über den Composite-Video-Antenneneingang auf einem Fernseher auszugeben. Auf der Rückseite des Systems befanden sich zusätzliche Anschlüsse für das Audiosignal, einen Lichtgriffel und – via Edge-Card-Connector – einen Parallel-Drucker. Dieser arbeitete nach dem Centronics-Standard, war jedoch nicht vollständig PC-kompatibel (ein Problem, das auch der Amiga 1000 hatte). PC-Drucker mussten daher über einen Adapter betrieben werden. Als Betriebssystem bot Tandy MS-DOS 2.11 sowie DeskMate 1.0, eine frühe grafische Benutzeroberfläche, die als Konkurrenz zu Windows gedacht war.

Tandy Radio Shack hatte mit dem Modell 1000 einen deutlich größeren Erfolg als IBM mit dem PCjr, der bereits nach kurzer Zeit wieder vom Markt verschwand. Der Misserfolg des PCjr brachte sogar beinahe das damals noch junge Unternehmen Sierra On-Line (bekannt für „Space Quest“, „King’s Quest“ und „Leisure Suit Larry“) an den Rand des Ruins, da das Unternehmen stark auf diese Plattform gesetzt hatte.

Noch heute sind einige Tandy-1000-Modelle in Unternehmen im Einsatz. Für Tandy selbst war das Modell 1000 der letzte ernsthafte Versuch, sich im Computermarkt zu etablieren. Obwohl noch einige weitere Versionen des Ursprungsmodells entwickelt wurden, verlagerte sich das Unternehmen zunehmend auf den Vertrieb von Fremdmarken, allen voran Compaq.