
Commodore C16
Der Commodore 16 (C16) wird oft als der kleine Bruder des Commodore 64 bezeichnet. Commodore wollte mit diesem Rechner das Preissegment unter 100 US-Dollar, inflationsbereinigt entspräche das heute etwa 220 bis 250 Euro, erobern und sich gegen Konkurrenzprodukte wie die Sinclair-Computer ZX80, ZX81, Spectrum 16K sowie den Atari 400XL behaupten. Besonders die preisgünstigen MSX-Computer bereiteten Jack Tramiel, dem damaligen Chef von Commodore, Sorgen. MSX war ein offizieller Heimcomputerstandard, der von mehreren Unternehmen gemeinsam entwickelt wurde und Microsofts BASIC als Betriebssystem nutzte.Der Commodore 64 war für dieses Marktsegment nicht geeignet, weshalb Commodore davon ausging, dass Anwender weiterhin einen einfachen und preiswerten Einstiegsrechner benötigen würden. Allerdings erkannte das Unternehmen nicht, dass die Nachfrage nach solchen Rechnern bereits zurückgegangen war, was sich an den Verkaufszahlen des Commodore 64 hätte ablesen lassen.

Datasette 1531
Um die Produktionskosten so gering wie möglich zu halten, verwendete der C16 ein schwarzes Gehäuse, das dem des Commodore 64 ähnelte. Wozu ein Design ändern, dass seit dem VC 20 sinnbildlich für Commodore stand und womöglich Geld kosten würde? Noch dazu für einen Rechner des untersten Marktsegmentes? Die Tasten waren hellgrau und anders positioniert. Im Gegensatz zum ersten C64 verfügte der C16 von Anfang an über einen Reset-Knopf. Als Prozessor kam ein 8-Bit MOS 7501 oder MOS 8501 zum Einsatz, die sich nur im Herstellungsprozess unterschieden. Obwohl der Befehlssatz zum MOS 6502 des C64 (der einen MOS 6510 verwendete) kompatibel war, änderte Commodore die Architektur der 264er-Reihe, zu der der C16 gehörte, sodass die Kompatibilität kaum genutzt werden konnte. Der Prozessor arbeitete mit zwei Taktfrequenzen (885 kHz und 1,76 MHz), die vom TED-Chip vorgegeben wurden. Der TED schaltete im Grafikmodus auf die langsamere Frequenz, während der Bildschirmrahmen und Synchronimpulse mit der höheren Frequenz liefen. Im Durchschnitt erreichte der C16 eine Taktfrequenz von etwa 1 MHz. Der Arbeitsspeicher des C16 betrug 16 KByte, wovon dem Benutzer im BASIC-Modus etwa 12 KByte zur Verfügung standen. Bei Nutzung des Grafikmodus reduzierte sich dieser Speicher auf 2 KByte. Es war möglich, den Speicher auf maximal 64 KByte zu erweitern, was jedoch Lötarbeiten erforderte. Einige Bastler schafften es sogar, den Speicher auf 256 KByte zu erhöhen, wobei dann per Bankswitching darauf zugegriffen wurde. Die letzte produzierte C16-Serie besaß bereits die erforderlichen Speicherchips, die lediglich umgelötet werden mussten. Diese Variante war mit dem Plus/4 aus der 264er-Reihe praktisch identisch, es fehlten lediglich die im ROM befindliche Anwendungssoftware und zwei Chips für die Steuerung des RS-232-Ports und des 8-Bit-Input/Output. Daher liefen die meisten für den Plus/4 entwickelten Programme auch auf diesem System. Der Speicherausbau des C16 lohnte sich jedoch nur bedingt, da nur wenige Spiele den erweiterten Speicher nutzten.

Commodore 1551 Floppy
Das BASIC 3.5 des Commodore 16 war eine erweiterte Version des bekannten Commodore BASIC 2.0, das im C64 zum Einsatz kam. Diese neue Version bot zahlreiche zusätzliche Befehle und Funktionen, die insbesondere die Programmierung von Grafik und Sound erleichterten, was für Heimcomputer dieser Zeit ungewöhnlich war. Das BASIC 3.5 machte den C16 zu einem leistungsfähigen Einstiegscomputer für Hobby-Programmierer. Trotz seiner erweiterten Möglichkeiten war der C16 jedoch nicht vollständig kompatibel zum C64, was die Verbreitung einschränkte. Dennoch wurde das erweiterte BASIC von vielen geschätzt, da es Funktionen bot, die bei Konkurrenzprodukten oft fehlten. Beispielsweise ermöglichten Grafikbefehle wie GRAPHIC, CIRCLE, und PAINT das einfache Zeichnen von Formen und das Arbeiten mit Farben, während SOUND und VOL die direkte Steuerung des TED-Chips zur Klangerzeugung erlaubten. Die Befehle des BASIC 3.5 legten den Grundstein für einfache Spieleentwicklung und experimentelle Programmierung, was den C16 vor allem in Bildungseinrichtungen und bei jungen Programmierern beliebt machte.
Mit dem TED (Akronym für Text EDitor) stellte Commodore ein letztes Mal einen Allrounder Chip vor: der unter der Bezeichnung MOS 7360 produzierte Baustein übernahm die Videoausgabe, erzeugte den einen 2 Kanal Sound, generierte den Takt und interpretierte die Eingaben von Joystick und Tastatur. All diese Aufgaben mussten zuvor durch etliche Chips (VIA oder CIA) verarbeitet werden, Commodore sparte mit dem TED Bauteile und damit Produktionskosten ein. Der Commodore 16 bietet primär einen Grafikmodus mit einer Auflösung von 320 × 200 Pixeln. Dabei kommen im Wesentlichen zwei Ansätze zum Einsatz:
- Bitmap-Modus
Im Bitmap-Modus wird der Bildschirm pixelgenau adressiert. Der Bildschirm ist in kleine Zeichenfelder (typischerweise 8 × 8 Pixel) unterteilt, in denen einzelne Pixel direkt manipuliert werden können. Dies ermöglicht die Darstellung detaillierter Grafiken und Animationen. Dank des TED-Chips, der eine erweiterte Farbpalette von bis zu 121 Farben bereitstellt, können farbenreiche Darstellungen erzeugt werden – auch wenn nicht alle 121 Farben gleichzeitig genutzt werden können.
- Textmodus mit grafischen Erweiterungen
Zusätzlich zum Bitmap-Modus bietet der C16 einen Textmodus, bei dem der Bildschirm in eine Matrix von Zeichenzellen (in der Regel 40 Spalten × 25 Zeilen) unterteilt ist. Hier können die Zeichen entweder als einfacher Text oder als Platzhalter für selbst definierte grafische Muster genutzt werden. Dieser Modus ist weniger speicherintensiv und eignet sich für Anwendungen, bei denen einfache grafische Effekte oder Animationen ausreichen.
Allerdings konnte der TED von der Hardwareseite keine Sprites erzeugen. Dies waren Grafikobjekte, die von der zuständigen Hardware über das Hintergrundbild eingeblendet wurden und mittels Joysticks beispielsweise gesteuert wurden. Pacman, Mario, Sonic oder Turrican, sie alle waren Sprites, aber auch alle gegnerischen Figuren wurden zumeist so dargestellt, dies nur zur Info. Bewegliche Objekte oder komplexe Animationen müssen also vollständig softwareseitig umgesetzt werden, was die CPU zusätzlich belastete. Obwohl der TED-Chip eine große Farbpalette bietet, sind die Farbinformationen oft auf bestimmte Bereiche (z. B. pro Zeichenfeld) begrenzt, was dynamische Farbwechsel erschwert. Da der TED-Chip wie beschrieben sowohl für die Grafik- als auch für die Soundausgabe verantwortlich ist, konnte es zu Timing-Problemen kommen, die die Leistung in grafisch anspruchsvollen Anwendungen beeinträchtigen.
Commodore verwendete achtpolige Mini-DIN-Anschlüsse für die Joysticks, obwohl der 9-Pol-Anschluss des Atari VCS 2600 als Standard galt. Vermutlich wollte Commodore mit dem Verkauf von Adaptern und Peripheriegeräten zusätzlichen Umsatz generieren. Auch die Datasette erhielt einen runden Mini-DIN-Anschluss. Der Erweiterungsport ermöglichte den Anschluss der Floppy 1551 und weiterer Geräte über einen durchgeschleiften Bus. Ein Userport, wie ihn der C64 besaß, und der als flexible Schnittstelle für Datenübertragung, Steuerungsaufgaben (Relais, Schalter oder Messgeräte) oder auch für Amateurfunkschnittstelle für Packet Radio diente, besaß der C16 nicht. Eine ungewöhnliche Angelegenheit, war dieser Port bisher auf allen Commodore Rechnern zu finden.
Die 264er-Reihe war ein Misserfolg. Weder war sie kompatibel zum C64, noch konnte der TED Hardware-Sprites erzeugen. Trotz eines erweiterten BASIC mit Grafikfunktionen nutzten die meisten Spiele diese nicht, da sie in Assembler programmiert wurden. Commodore unterschätzte die Bedeutung der Kompatibilität zum C64. Die Zielgruppe für einen preiswerten Heimcomputer war verschwunden, und C64-Besitzer sahen keinen Grund, auf ein leistungsschwächeres, fehleranfälliges System umzusteigen. Zudem war der TED-Chip anfällig: Überhitzung konnte ihn zerstören, ebenso das Ein- oder Ausstecken von Joysticks oder anderen Geräten im Betrieb. Erst spätere Modelle erhielten Schutzdioden.
Der C16 war vor allem für den europäischen Markt konzipiert und konnte überwiegend in spezialisierten Elektronik- und Computerfachgeschäften erworben werden. Darüber hinaus war er über Versandhändler und per Katalogbestellung erhältlich. In den USA, wo Commodore traditionell über Fachmärkte wie RadioShack vertreten war, spielte der C16 hingegen eine untergeordnete Rolle.
Schätzungen zufolge wurden rund 1,26 Millionen Einheiten verkauft – eine beeindruckende Zahl für viele Unternehmen, wenngleich Commodore mit dem C64 in einer ganz anderen Liga agierte. Ein bedeutender Abverkauf entstand zudem in den Filialen des Discounters Aldi, wo Restlagerbestände veräußert wurden. In diesen Verkaufsaktionen wurde der C16 zusammen mit einer Datasette 1531 und einem BASIC-Lernkurs als Lernpaket BASIC für 149 DM angeboten (inflationsbereinigt etwa 160 €). Weitere Restbestände fanden ihren Weg in die Ostblockstaaten, vor allem nach Ungarn, wo begeisterte Anwender, die sich die teureren Computer der sozialistischen Bruderstaaten nicht leisten konnten, zugreifen konnten. In dieser Region entstanden zudem zahlreiche inoffizielle Konvertierungen von C64-Spielen. Für den Commodore 16 wurden insgesamt 546 kommerzielle Videospiele veröffentlicht. Zusätzlich existieren zahlreiche Anwendungen, wobei die genaue Anzahl nicht exakt dokumentiert ist. Die deutsche Firma Kingsoft GmbH spielte eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung und dem Vertrieb von Software für den C16 und bot eine breite Palette von Spielen und Anwendungen an.
In Mexiko wurde der Commodore 16 (C16) von 1985 bis 1992 als Einstiegscomputer verkauft. Die Supermarktkette Aurrerá vertrieb ihn in Zusammenarbeit mit dem lokalen Distributor Grupo Sigma S.A. unter dem Namen "Sigma-Commodore 16". Dieses Modell entsprach dem amerikanischen/europäischen C16, jedoch ohne die für die spanische Sprache benötigte "Ñ"-Taste; der einzige Unterschied war die angepasste Beschriftung. Aurrerá bot zudem Software, Peripheriegeräte und Bücher zur Programmierung von Commodore-Computern an. Diese Artikel wurden in speziellen Bereichen der Elektronikabteilung namens "El Universo de la Computación" präsentiert. Der Erfolg von Commodore in Mexiko basierte darauf, dass Kunden die Computer im Laden testen konnten, was dazu führte, dass sich Menschen trafen, um Spiele zu spielen und Programme in inoffiziellen Computerclubs auszutauschen.
Zwischen 1985 und 1989 fanden jährlich mindestens vier von Aurrerá, Grupo Sigma und Commodore gesponserte Software-Entwicklungswettbewerbe statt. Teilnehmer reichten Beiträge in den Kategorien Programmierung, Hardware-Modifikationen und Computergrafik für C16, C64, C128 und Amiga ein. Preise umfassten Geldbeträge, Commodore-Software und -Hardware sowie die Möglichkeit, die entwickelte Software über Grupo Sigma auf dem lokalen Markt zu veröffentlichen. Da die Gewinner-Software nur in Mexiko verkauft wurde, ist diese originale Software heute kaum noch zu finden. Mitte 1993 stellte Grupo Sigma die Unterstützung für Commodore-Produkte ein und konzentrierte sich auf den wachsenden und profitableren Markt der IBM-PC-kompatiblen Computer.