Galaksija – Galaksija

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Galaksija

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Vojislav Voja Antonić hatte sich im ehemaligen Jugoslawien bereits einen Namen machen können. Bereits bei einem Wettbewerb für Mathematik und Physik errang er im Alter von zarten 14 Jahren den ersten Preis. Wenige Jahre später, nach der Lektüre eines Buches über den Z80 Mikroprozessor begann er mit diesem zu experimentieren. Sein erstes mikroprozessorgestütztes Projekt war 1976 ein Gerät zur Darstellung von „Conway’s Game of Life“. Ohne Zugang zu einem richtigen Computer schrieb er den Code auf Papier und steuerte die Eingaben über Drehschalter – ein mühseliges Unterfangen, das ihm mehrere Monate abverlangte, bis er alle benötigten Komponenten, wie etwa die kostspieligen LEDs, beschaffen konnte. Dieses frühe Projekt zeigte seinen unerschütterlichen Erfindungsgeist und seine Fähigkeit, auch mit begrenzten Mitteln innovative Lösungen zu entwickeln. 1981 unterstützte er den serbischen Skiverband mit der Entwicklung eines präzisen Zeiterfassungsgerätes für die alpinen und nordischen Disziplinen, um die Ergebnisse für eine Ski-Rangliste addieren zu können. Hierfür entwarf er einen Computer namens „Abitar“ und war am ehesten mit einem Laptop vergleichbar. Insgesamt wurden fünf Modelle des Arbiter hergestellt. Antonić erkannte dabei das Interesse seiner Landsmänner und -frauen für diese neuen Geräte. Durch Importbeschränkungen war es der Bevölkerung jedoch nur schwer möglich einen modernen, westlichen Computer zu beschaffen, geschweige denn zu leisten. Selbst die günstigsten Rechner des Klassenfeindes waren mehrere Monatslöhne wert.

Antonić erholte sich während eines Hotelaufenthaltes in Risan und las zur Entspannung eine Dokumentation über den CDP1802, einem One-Chip-Prozessor des Herstellers RCA, der für einen experimentellen Homecomputer des Mikroprozessorforschers Joseph Weisbecker konzipiert wurde. Seine Überlegung war mittels dieses Prozessors auch eine Bildausgabe zu erzeugen, doch er erkannte recht schnell, dass der CDP1802 hierfür zu primitiv und zu langsam war. Für seine Idee schien der Zilog Z80 deutlich geeigneter. Bereits zum Ende des Urlaubes hatte er ein Konzept des Computers und der Bildsteuerung kreiert. Dieser Computer konnte ein monochromes Bild mit 32 Zeichen in 16 Zeilen anzeigen oder einfache Grafiken mit einer Auflösung von 64 × 48 Pixeln darstellen. Da die Grafiken per Software erzeugt wurden, war die Geschwindigkeit erheblich reduziert. Allerdings hielten sich die Kosten für den Computer im Rahmen. Der Arbeitsspeicher (RAM) betrug in der Grundausstattung zwischen 2 und 6 KB, erweiterbar auf bis zu 54 KB. Das Festwertspeicher (ROM) umfasste 4 KB für das Basis-ROM ("A") und optional weitere 4 KB für Erweiterungen ("B"), die zusätzliche BASIC-Befehle, einen Assembler und einen Maschinensprache-Monitor enthielten. Die Dateneingabe erfolgte über eine integrierte Tastatur mit 54 Tasten. Als Speichermedium diente ein herkömmlicher Kassettenrekorder, der über einen 5-poligen DIN-Anschluss verbunden wurde und mit einer Übertragungsrate von 280 Bit/s arbeitete. Weitere Schnittstellen umfassten einen 44-poligen Erweiterungssteckplatz für den Systembus sowie Videoausgänge für monochrome PAL-Signale und einen optionalen UHF-TV-Ausgang. Eine native Soundausgabe war nicht vorgesehen; jedoch konnte der Kassettenanschluss für einfache Tonausgaben genutzt werden.

Antonić suchte nun Kontakt zum populärwissenschaftlichen Magazin „Galaksija“, das für die Idee im Grunde ungeeignet war, allerdings stellte sich heraus, dass dort an einer Sonderausgabe für Computer gewerkelt wurde. Voja traf sich mit dem Autor Dejan Ristanović, der diese Ausgabe konzipierte und schlug ihm vor eine komplette DIY Anleitung für seinen Computer zu veröffentlichen. Darüber hinaus sollten vorgefertigte Bausätze bestellbar sein. Diese 100 seitige Ausgabe erschien im Dezember 1983 (Ausgabe Januar 1984) und schon vor der Veröffentlichung wurde redaktionsintern darüber spekuliert, wie viele Computer gemäß der Anleitung gebaut werden würden. Gingen einige von wenigen hundert gebauten Modellen aus, führte die Aussage von tausenden Computern zu großem Gelächter. Tatsächlich wurden mehr als 8000 Bausätze direkt bestellt, die bereits mit Leiterplatten und Flash-ROMs ausgestattet waren. Hinzu kommt noch eine unbekannte Anzahl von Anwendern, die den Computer ohne die vorstellbaren Teile zusammenbauten, denn insgesamt wurden über 30000 Hefte innerhalb weniger Wochen verkauft. Die Sonderausgabe wurde zweimal nachgedruckt. Die Dauer des Zusammenbaus lag, je nach Erfahrung, zwischen 8 und 24 Stunden.

Die Bauteile des Galaksija-Computers wurden von verschiedenen Herstellern geliefert, so wurden die Leiterplatten und Tastaturen von MIPRO und Elektronika aus Buje sowie vom Institut für Elektronik und Vakuumtechnik bereitgestellt. Die IC (Integrierten Schaltkreise) stammten von Mikrotehnika aus Graz. Voja Antonić selbst programmierte die ROM persönlich, wie auch einige Spiele für den Rechner. Die Redaktion der Zeitschrift „Galaksija“ kümmerte sich um die Erstellung der Druckmaterialien und organisierte den Versand an die Kunden. Später startete das Institut für Lehrbücher und Lehrmittel gemeinsam mit Elektronika Inženjering die Serienproduktion des Galaksija, hauptsächlich für den Einsatz in Schulen. Obwohl der Galaksija in seiner Leistungsfähigkeit nicht mit kommerziellen Computern jener Zeit mithalten konnte, hatte er eine bedeutende lokale Auswirkung. Viele Technikbegeisterte nutzten ihn, um die Funktionsweise von Computern zu verstehen und eigene Experimente durchzuführen.

Die Weiterentwicklung des Galaksija führte zu fünf funktionsfähigen Prototypen. Allerdings wurden diese Arbeiten 1995 eingestellt, da die Geräte sowohl technisch als auch moralisch veraltet waren. Die meisten Prototypen wurden entsorgt, doch ein verbliebenes Exemplar wurde im Keller von Antonićs Haus entdeckt und dem Museum für Wissenschaft und Technologie in Belgrad übergeben.

Veröffentlicht in Systeme.

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