Xerox 860

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Xerox 860

Die frühen Computertage waren immer wieder für eine Überraschung gut. Beispielsweise stellte Xerox mit dem Modell 860 eine Maschine vor, die scheinbar in keine Schublade passte. Obwohl die Komponenten eindeutig auf einen Computer schließen ließen, war seine Hauptaufgabe die Textverarbeitung, auch wenn heute noch viele Anwender aus der damaligen Zeit dem widersprechen. Der Monitor ist jedoch ein wichtiges Indiz für die Theorie der Textverarbeitung. Dieser stand um 90° angewinkelt und glich nun eher einer DIN A4 Seite. Zudem sollte erwähnt werden, dass Xerox selbst das Produkt als Textverarbeitungscomputer angepriesen hatte. Das der Xerox 860 jedoch auch andere Aufgaben bewerkstelligen konnte, steht auf einem anderen Blatt). 70 Zeilen mit 102 Zeichen standen dem Anwender zur Verfügung. Dabei war der Text schwarz auf weißem Hintergrund. Optional konnten die Einstellung invertiert werden. Der 860 beherrschte nur den reinen Textmodus und konnte keine Grafiken einbinden.

128 KByte RAM standen für die Datenverarbeitung zur Verfügung. Waren die Texte länger oder sollten sie später weiterverarbeitet werden, konnten diese auf 8“-Floppydisketten gespeichert werden. Xerox verbaute zwei dieser Massenspeichermonster im System. Disketten konnten dabei mit maximal 600 KByte beschrieben werden, dies reichte gewöhnlich für bis zu 560 Seiten. Das Modell 860 war auch netzwerkfähig (Ethernet). Insgesamt drei Modelle konnten gemeinsam im Verbund arbeiten. Im Paket war zusätzlich ein Diablo Printer enthalten. Dieser arbeitete bidirektional und hatte eine Geschwindigkeit von bis zu 40 Zeichen pro Sekunde. Maximal 20 Seiten konnten in einer Druckerwarteschlange geparkt und nacheinander abgearbeitet werden. Mit späteren Versionen war es zudem möglich via Netzwerk die Textdokumente per Email weiter zu versenden. Als „Betriebssystem“ kam eines der ersten WYSIWYG (What you see is what you get) Textverarbeitungsprogramme zum Zuge. BravoX, das 1972 für den Xerox Alto entwickelt worden war, ist der Stammvater aller modernen Textprogramme, beispielsweise Word.

Dennoch hatte der 860 einen schweren Stand. In einer Zeit, in der die Homecomputer immer mehr Boden gewannen und leistungstechnisch immer weiter fortschritten, konnte eine reine Textverarbeitung nicht lange bestehen. Auch der brachiale Preis von 14.000 $ (inflationsbereinigt 2024 etwa 40.000 Euro!) half dem System nicht wirklich weiter. Große Firmen, aber auch die US Navy setzten dennoch eine Zeit auf diese Systeme.

Veröffentlicht in Systeme.

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