Fujitsu FM-77AV40: Erweiterte Variante der AV-Generation

Als Fujitsu im Oktober 1986 seine neue Generation der sogenannten „Audio-Visual Computer“ vorstellte, erschien neben dem Basismodell auch eine höher ausgestattete Variante. Der Fujitsu FM‑77AV40 gehörte zur gleichen Gerätefamilie wie der Fujitsu FM‑77AV20 und basierte auf derselben technischen Plattform. Architektur, Grafiksystem und Klangtechnik entsprechen daher im Wesentlichen dem bereits beschriebenen FM-77AV20; eine ausführliche Darstellung der zugrunde liegenden Technik findet sich im entsprechenden Artikel zu diesem Modell. Der AV40 wurde von Fujitsu als leistungsstärkere Ausstattungsvariante innerhalb derselben Generation positioniert.

Äußerlich unterschieden sich die beiden Modelle kaum voneinander. Das Gehäuse, die Anschlussanordnung sowie die separate Tastatureinheit entsprachen dem gleichen Design, das Fujitsu für die AV-Serie eingeführt hatte. Auch die grundlegende Systemarchitektur blieb unverändert: Beide Rechner verwendeten weiterhin das für die FM-Reihe typische Dual-CPU-Konzept mit zwei Prozessoren der 6809-Familie, bei dem eine Haupt-CPU die Programmlogik ausführt, während eine zweite CPU bestimmte Steuer- und Grafikaufgaben übernimmt. Ebenso identisch waren die grundlegenden Grafikmodi der AV-Generation, darunter der 320×200-Modus mit bis zu 4096 gleichzeitig darstellbaren Farben sowie der 640×200-Modus mit acht Farben. Auch das FM-Sound-Subsystem mit zusätzlichen PSG-Kanälen entsprach der Ausstattung des AV20.

Die Unterschiede zwischen beiden Geräten lagen vor allem in der Speicher- und Laufwerksausstattung. Während der FM-77AV20 mit 128 KB Arbeitsspeicher ausgeliefert wurde und auf 192 KB erweitert werden konnte, verfügte der FM-77AV40 bereits ab Werk über 256 KB RAM. Diese Erweiterung war keineswegs trivial, denn sie erlaubte umfangreicheren Programmen sowie grafikintensiveren Anwendungen mehr Spielraum im Hauptspeicher. Gerade bei komplexeren Spielen oder bei Software, die mehrere Grafikpuffer nutzte, war zusätzlicher RAM ein spürbarer Vorteil.

Auch bei der Diskettenausstattung positionierte Fujitsu das Modell höher. Während beim AV20 Varianten mit einem oder zwei Laufwerken existierten, wurde der AV40 typischerweise mit zwei 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerken ausgeliefert. Diese arbeiteten mit 640 KB pro Diskette, ein Format, das sich im japanischen Heimcomputermarkt bereits etabliert hatte. Für Anwender bedeutete diese Ausstattung einen komfortableren Umgang mit Software und Datenträgern, da Programme nicht mehr ständig zwischen verschiedenen Disketten gewechselt werden mussten.

Preislich lag das Modell entsprechend über dem Basissystem. Der FM-77AV40 wurde bei seiner Einführung zu einem deutlich höheren Preis angeboten als der AV20 und richtete sich damit eher an ambitionierte Nutzer oder an Käufer, die ihren Computer nicht nur für einfache BASIC-Programme, sondern auch für anspruchsvollere Anwendungen einsetzen wollten. Fujitsu verfolgte damit eine Strategie, die im japanischen Heimcomputermarkt jener Zeit durchaus üblich war: Eine gemeinsame Plattform wurde in mehreren Ausstattungsvarianten angeboten, um unterschiedliche Preis- und Leistungssegmente abzudecken.

Innerhalb der FM-77AV-Serie markiert der AV40 somit die ausgebautere Konfiguration derselben Architektur. Technisch handelte es sich nicht um ein völlig neues System, sondern um eine Erweiterung der bestehenden Plattform mit mehr Speicher und einer vollständigeren Standardausstattung. Gerade diese Modellpolitik – identische Architektur, aber unterschiedliche Ausstattungsstufen – war in der japanischen Computerindustrie der 1980er-Jahre weit verbreitet und findet sich ebenso bei konkurrierenden Systemfamilien wie der NEC PC‑8801 oder der Sharp X1.

Der FM-77AV40 lässt sich daher am besten als komfortabler ausgestattete Variante des FM-77AV20 verstehen: ein Rechner mit derselben technischen Grundlage, jedoch erweitertem Arbeitsspeicher und einer umfangreicheren Diskettenkonfiguration, der innerhalb der AV-Generation die obere Ausstattungsstufe repräsentierte.

PCW 9512+

PCW 9512+

PCW 9512Die Vorgänger PCW 8512 und PCW 8256 waren erfolgreich genug, um das Unternehmen Amstrad 1987 dazu zu bewegen einen Nachfolger, unter dem Namen PCW 9512, zu veröffentlichen. Die Entwicklung des PCW 9512+ wurde maßgeblich von Locomotive Software vorangetrieben. Dieses britische Unternehmen, gegründet von Richard Clayton und Chris Hall, war verantwortlich für die Entwicklung von LocoScript sowie anderer Software für Amstrad. Ihre Expertise trug wesentlich zum Erfolg der PCW-Serie bei. Locomotive BASIC und die robuste, fehlerfreie Softwarearchitektur machten die Systeme trotz bescheidener Hardware angenehm stabil.

Die Vorgängermodelle etablierten sich als kostengünstige und benutzerfreundliche Lösungen für Textverarbeitung und andere Büroanwendungen. Amstrad erkannte das Potenzial, diese Linie weiterzuentwickeln, und brachte 1987 den PCW 9512 auf den Markt, der durch verbesserte Hardware und ein neues Design überzeugte. Der PCW 9512+ folgte 1991 und brachte weitere Aktualisierungen mit sich, darunter ein 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk mit 720 KB Kapazität, das den Zugriff auf Daten erleichterte.

Im Herzen des PCW 9512+ arbeitet der Zilog Z80A Prozessor mit einer Taktfrequenz von 4 MHz. Dieser 8-Bit-Prozessor wurde in vielen Computern der Ära eingesetzt, allerdings dämmerte die Ära der 8bit Prozessoren mit der Einführung der 16bit Computer und Konsolen erst langsam und dann rasant dem Ende entgegen. Der Z80A basiert auf einer CISC-Architektur (Complex Instruction Set Computing) und ist bekannt für seine effiziente Befehlsverarbeitung und Flexibilität, was ihn besonders für Anwendungen wie Textverarbeitung geeignet machte. Er verfügte über 158 Befehle und eine Vielzahl von Adressierungsmodi, was ihn vielseitig und effizient für verschiedene Softwareeinsätze machte.

Bei seiner Markteinführung wurde der PCW 9512+ zu einem Preis von etwa 499 £ angeboten. Unter Berücksichtigung der Inflation entspricht dies heute ungefähr 1.100 bis 1.200 Euro. Diese Preisgestaltung machte den PCW 9512+ zu einer attraktiven Option für preisbewusste Käufer, die dennoch nicht auf Leistung verzichten wollten.

Der Aufbau des PCW 9512+ zeichnet sich durch ein integriertes Design aus, bei dem Monitor und Rechner in einem Gehäuse vereint sind. Dies förderte eine platzsparende Aufstellung und einfache Handhabung. Das System verfügte über einen separaten, ergonomisch gestalteten Tastaturblock mit 82 Tasten, der ein komfortables Schreibgefühl bot. Als Massenspeicher diente das integrierte 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk, das den Zugriff auf Daten und Programme erleichterte. Frühere Modelle hatten noch 3"-Laufwerke verwendet, was durch die 3,5"-Diskette im 9512+ deutlich benutzerfreundlicher wurde.

Als Betriebssystem kam CP/M zum Einsatz, ein in den 1980er Jahren weit verbreitetes System für Mikrocomputer. CP/M bot eine stabile Plattform für zahlreiche Anwendungen, insbesondere im Bereich der Textverarbeitung. Der PCW 9512+ wurde mit LocoScript 2 ausgeliefert, einer leistungsfähigen Textverarbeitungssoftware, die für ihre Benutzerfreundlichkeit geschätzt wurde. LocoScript war ein echtes Highlight: Es erlaubte sogar das Einfügen von Grafiken in Textdokumente – ein bemerkenswerter Luxus für diese Preisklasse.

In Bezug auf Anschlüsse bot der PCW 9512+ einen parallelen Druckeranschluss, der die Anbindung externer Drucker ermöglichte. Dies war eine Verbesserung gegenüber früheren Modellen und erweiterte die Einsatzmöglichkeiten des Systems erheblich. Geplante, aber selten realisierte Peripheriegeräte umfassten unter anderem ein 3,5"-Zweites Diskettenlaufwerk, externe Speicherlösungen, Modems und Schnittstellenadapter für serielle Kommunikation. Viele dieser Erweiterungen blieben auf Prototyp- oder Kleinserienebene stecken, da sich der PCW eher an eine Zielgruppe richtete, die mit der Grundausstattung zufrieden war.
Der Monitor des PCW 9512+ bot eine Auflösung von 720 x 256 Pixeln in monochromer Darstellung. Dies ermöglichte eine klare und scharfe Anzeige von Texten und einfachen Grafiken. Die Bildschirmgröße betrug 14 Zoll, was für damalige Verhältnisse großzügig bemessen war und ein angenehmes Arbeiten ermöglichte. Farbdarstellung war nicht vorgesehen – der Monitor war grün-monochrom, was bei längeren Arbeitssitzungen jedoch angenehmer für die Augen war.

In puncto Sound verfügte der PCW 9512+ lediglich über einen einfachen Piezo-Lautsprecher, der für Systemtöne genutzt wurde. Ein dedizierter Soundchip war nicht vorhanden, was die Audiofähigkeiten des Systems stark einschränkte. Musik, Spiele oder Sprachausgabe waren nur sehr eingeschränkt möglich. Für einen reinen Bürocomputer war das allerdings akzeptabel – aus Sicht eines Heimcomputers jedoch ein Nachteil.
Im Vergleich zu Konkurrenzmodellen wie dem IBM PC, Apple Macintosh oder auch den Heimcomputern wie dem Atari ST oder Commodore Amiga bot der PCW 9512+ ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Integration von Hardware und Software speziell für Textverarbeitung machte ihn zu einer attraktiven Wahl für Schriftsteller, Journalisten, Studenten und kleine Unternehmen. Besonders überzeugend war, dass ein Monitor, Drucker, Tastatur und Software im Lieferumfang enthalten waren – ein Komplettpaket zum kleinen Preis.

Allerdings war das System aufgrund seines proprietären Designs weniger flexibel und erweiterbar als viele Konkurrenzprodukte. Die fehlende Farbdarstellung, eingeschränkte Soundfähigkeiten und die Abhängigkeit von CP/M (statt MS-DOS oder später Windows) schränkten seine Vielseitigkeit ein. Auch der Wechsel auf modernere Speichermedien war nur begrenzt möglich, da die PCW-Reihe nie eine interne Festplatte unterstützte.
Ein interessantes Detail ist, dass die PCW-Serie während der Entwicklung den Codenamen "Joyce" trug – benannt nach der Sekretärin von Amstrad-Gründer Sir Alan Sugar. Dieses charmante Detail unterstreicht die enge Verbindung zwischen den Entwicklern und der Zielgruppe: Menschen, die keine Computerexperten waren, sondern einfach nur ein zuverlässiges Arbeitsgerät benötigten.